Vorteilhafte kreative Übung oder eher ineffiziente Variation? Eine detaillierte Analyse
In der Welt des Krafttrainings gibt es immer wieder neue Übungen, die als besonders effizient oder revolutionär angepriesen werden. Doch wie bewertet man wirklich, ob eine Übung sinnvoll ist oder nicht? Dazu sollte man hinter das Make-up einer Übung blicken und „nur“ den Widerstand sehen
Ein aktuelles Beispiel ist eine Übung, die auf Instagram von Urs geteilt wurde. Sie zeigt eine Überkopf-Trizeps-Bewegung mit zwei Zughilfen an der Multipresse. Die zentrale Frage: Ist diese Übung effektiv oder nicht?
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Anstrengung ist nicht gleich Effizienz
Ein häufiger Fehler in der Trainingsbewertung ist die Gleichsetzung von Anstrengung mit Effizienz. Nur weil eine Übung anstrengend ist, bedeutet das nicht automatisch, dass sie gut ist. Viele Gerätehersteller wollen mit ihren Maschinen überzeugen, indem sie Athleten einfach eine hohe Last auflegen lassen. Doch das sagt wenig über den eigentlichen Nutzen der Bewegung aus. Entscheidend sind vielmehr biomechanische Faktoren und die Frage, ob die Belastung wirklich dort wirkt, wo sie soll.
Wichtige Kriterien zur Übungsbewertung
Eine sinnvolle Übung sollte anhand folgender Faktoren (es gibt noch weitere) analysiert werden:
- Fixierung des Körpers: Bewegt sich nur der gewollte Körperteil? Bleibt der Rest ohne viel Aufwand stabil? Gibt es unnötige Ausweichbewegungen?
- Muskel treffen: Ist die Zielmuskelgruppe optimal in der Widerstandsebene positioniert?
- Widerstandskurve vs. Kraftkurve: Ist die Belastung in jeder Phase der Bewegung angemessen?
Analyse der Übung
Schauen wir uns die Videoanalyse dieser Übung genauer an. Drei entscheidende Phasen werden betrachtet: die exzentrische Position (unterer Umkehrpunkt), die mittlere Position und die konzentrische Phase (oberer Umkehrpunkt).
- Exzentrische Phase
- Der Widerstand wirkt senkrecht nach unten.
- Die Wirkungslinie der Last verläuft durch das Ellbogengelenk.
- Die Belastung auf den Trizeps ist in diesem Abschnitt minimal.
- Stattdessen muss die Brustmuskulatur, aber auch der lange Kopf des Trizeps im Schultergelenk, stark gegenhalten, um den Oberarm in Position zu halten.
- Mittlere Position
- Das Ellbogengelenk ist am weitesten von der Wirkungslinie der Last entfernt.
- Die volle Belastung liegt auf dem Trizeps, was biomechanisch sinnvoll ist.
- Der Widerstand entspricht hier der natürlichen Kraftkurve des Muskels – dort, wo man stark ist, ist der Widerstand am größten.
- Konzentrische Phase
- Die Zugkraft verläuft stark schräg nach vorne.
- Ein großer Teil der aufgewendeten Kraft verpufft als Reibung.
- Am Umkehrpunkt muss extreme Kraft aufgebracht werden, was zu einer ungünstigen Widerstandskurve führt. In der Verkürzung ist man schwach, muss aber hier einen großen Widerstand bewältigen.
Fazit: Ist die Übung effizient?
Die Widerstandskurve dieser Übung passt nicht optimal zur natürlichen Kraftkurve des Trizeps. Zu Beginn fehlt nahezu jede Belastung, während sie in der Endphase überproportional ansteigt. Dadurch entsteht eine unausgewogene Reizsetzung.
Eine effizientere Alternative wäre eine Trizepsübung mit gleichmäßiger Widerstandsverteilung – beispielsweise dieselbe Bewegung mit einer SZ-Stange oder Kurzhanteln.
Schlusswort
Eine effektive Übung sollte nicht nur anstrengend sein, sondern auch biomechanisch durchdacht. Eine kluge Trainingsplanung spart Zeit und maximiert den Muskelreiz – für bessere Ergebnisse mit weniger Aufwand.